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Patron

Der heilige Bruder Konrad von Parzham (1818 – 1894)

Er war schon dreißig Jahre alt, als Johannes Birndorfer im September 1849 an der Pforte des St. Anna-Klosters in Altötting anklopfte und um Aufnahme in den Kapuzinerorden bat. Betreut vom Benefiziaten Franz Dullinger hatte er sich einer zehnjährigen Selbstprüfung unterzogen, war dabei alle zwei Wochen den fünf Stunden langen Weg von Parzham nach Aign gegangen, hatte dort der Frühmesse beigewohnt, die Beichte abgelegt und die Kom-munion empfangen und sich dann wieder zu Fuß zurück auf den Weg zu seinem elterlichen Hof gemacht.

Es war ein großer, reicher, niederbayerischer Hof, den er als Bauer mit seinen Geschwistern bewirtschaftete. 127 Tagwerk an Äckern und Wiesen gehörten dazu. Zeitweise standen bis zu 22 Rösser im Stall. Seit seinem 16. Lebensjahr war er hier auf dem Venussenhof der Bauer, nachdem zwei Jahre nach dem Tod der Mutter auch der Vater gestorben war. Und er war ein guter Bauer, der „sein Sach beinander hatte“, wie es später in den Heiligsprechungsakten festgehalten wurde!

Geboren wurde Johannes am 22. Dez. 1818 auf dem erst 1750 neu gebauten Hof und noch am gleichen Tag in der Kirche St. Wolfgang bei Weng getauft. Er war das neunte von insgesamt elf Kindern; fünf seiner Geschwister starben schon sehr früh.

Seine intensive Religiosität wurde im Elternhaus geprägt. Das gemeinsame Gebet, bei dem auch das Gesinde mit eingebunden war, wurde stets gepflegt; ein respektvoller Umgang mit den Knechten und Mägden gehörte zur Normalität; ein Bettler ging nie ohne Gabe von Hof; die Mutter nahm ihn schon sehr früh auf Wallfahrten mit. Bald fiel seine Frömmigkeit auch Außenstehenden auf. Als junger Mann und Bauer würde er sich später immer wieder zu Wallfahrten nach Mariahilf ob Passau, Ering und Aign aufmachen, was immer mehrstündige Fußmärsche bedeutete.

Als dann nach reiflicher und langer Überlegungszeit sein Entschluss endgültig feststand, übereignete Johannes Birndorfer den Hof seinen Geschwistern und verschenkte sein Erbteil u.a. an die Mission.

Über das Noviziat in Burghausen und Laufen an der Salzach kam er, der nun Bruder Konrad hieß, nach der ewigen Profess als Pförtner in das St. Anna-Kloster nach Altötting. Fast 41 Jahre lange würde er diesen sehr mühsamen und verantwortungsvollen Platz ausfüllen, oft auch zum Missfallen seiner Mitbrüder, die ihn für zu freigebig hielten. Das schönste Erlebnis des Tages war für ihn jeweils der Ministrantendienst früh 5 Uhr in der Gnadenkapelle und damit die Nähe zur Mutter Gottes. Wir wissen nicht, wie viele Nächte er im Gebet durchwacht hat; häufig trafen ihn seine Mitbrüder entweder in der Alexiuszelle, in der klösterlichen Gruft oder in seiner Zelle an.

Erst wenige Tage vor seinem Tod gab er seinen Pförtnerposten mit den Worten ab: „Pater Guardian, jetzt geht`s nimmer!“ Am Samstag, 21. April 1894 starb er. Schon lange bei der Bevölkerung geachtet setzte nun eine große Verehrung ein, die den Guardian veranlasste, vom Verstorbenen ein Foto machen zu lassen. Es ist dies das einzige vom Bruder Konrad, das wohl auch alle bildlichen Darstellungen von ihm entscheidend prägte.

Als nach den kanonischen Bestimmungen verschiedene Wunder bestätigt waren, wurde Bruder Konrad am 15. Juni 1930 selig und am 20. Mai 1934 heilig gesprochen.

In den Protokollbüchern der Pfarrei St. Michael, der Mutterpfarrei von St. Konrad, taucht unter dem Datum von 10. Febr. 1935 ohne Angabe von Gründen lediglich der Vermerk auf, dass unsere Kirche „... künftig Bruder Konrad-Kirche heißen soll.“ Gründe dafür mögen wohl in der kirchenfeindlichen Zeit zu suchen sein, in die hinein ein erster Deutscher heilig gesprochen wurde und die damals sicher in Bayern weit verbreitete Verehrung des erst jüngst zur Ehre der Altäre erhobenen Pförtners von Altötting.

Es war dies übrigens die erste Kirche im Bistum Bamberg, die den heiligen Bruder Konrad sich zum Patron erkor; drei weitere folgten später noch.

Herbert Kirschner